Glaukom aktuell

Sichere Untersuchung beim Augenarzt in Covid-Zeiten

Bei der Untersuchung in der augenärztlichen Praxis und Klinik lässt sich “social distancing” nicht ganz einhalten. Die American Academy of Ophthalmology (AAO) hat jetzt in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass die seit Beginn der Coronavirus-Pandemie an den Spaltlampen – dem wichtigsten Untersuchungsgerät – angebrachten Plastikschilde die Gefahr eine Ansteckung deutlich minimieren. Je größer, desto besser sei der Schutz, so die Academy. Die Viren werden überwiegend durch Tröpfchen aus Mund und Nase, kaum durch Tränenflüssigkeit übertragen. Selbstverständlich gelten in allen augenärztlichen Einrichtungen neben dem Plastikschutz weitere strenge Hygienemaßnahmen wie Desinfizierung aller mit dem Patienten in Kontakt kommenden Geräte und Oberflächen.


Deutliche Befundbesserung der Augenoberfläche nach mikro-invasiver Glaukomoperation (MIGS)

Glaukompatienten leiden häufig an der Symptomatik des Trockenen Auges oder, wie es in der internationalen Terminologie etwas umfassender heißt, an OSD (ocular surface disease). Eine deutsche Arbeitsgruppe hatte vor einigen Jahren bei 57% der männlichen Glaukompatienten eine solche Problematik der Hornhaut und Bindehaut ermittelt, die wahrscheinlich höchste Prävalenz von OSD bei Glaukompatienten in der Literatur wird in diesem Jahr von einer brasilianischen Autorengruppe mit 74% in einem allerdings relativ kleinen Kollektiv verzeichnet. Als ein wichtiger pathogenetischer Faktor wird die oft jahrelange Anwendung von konservierungsmittelhaltigen Augentropfen zur Drucksenkung betrachtet.

Eine amerikanische Arbeitsgruppe hat jetzt untersucht, welchen Einfluss eine minimal-invasive Glaukomoperation (MIGS, micro-invasive glaucoma surgery) auf die Oberflächenparameter der Patienten hat. Bei den im Schnitt 71 Jahre alten Patienten wurden präoperativ und drei Monate nach dem Eingriff folgende Größen erfasst: der Ocular Surface Disease Index, OSDI, der von 0 (keine Beschwerden) bis 100 (maximale Beschwerden) reicht, die Efron-Skala der Rötung der Bindehaut (von 0 bis 4, der stärksten Rötung der Bindehaut) und die Tränenfilmaufreißzeit (BUT, break-up time). Die 47 Augen mit primären Offenwinkelglaukom bekamen einen transtrabekulären Stent (iStent oder iStent inject) implantiert.

Nach drei Monaten hatten sich alle Oberflächenparameter deutlich gebessert. Der OSDI lag vor der Operation in dem Kollektiv im Schnitt bei 40,1, was der Selbsteinschätzung einer ausgeprägten Symptomatik entspricht – als schwer, severe, gilt ein Trockenes Auge ab einem Wert von 33. Beim Kontrolltermin nach 3 Monaten war der OSDI im Durchschnitt auf 17,5 zurück gegangen; mehr als die Hälfte hatten jetzt als normal geltende Werte (bis max. 12), was vor der MIGS nur bei 9% der Fall war. Die BUT stieg von 4,3 Sekunden auf 6,4 Sekunden. Lediglich bei der Rötung der Bindehaut war die Veränderung von 1,4 auf 1,2 mäßig. Als entscheidend für die Besserung der Oberflächensituation wird die von der Operation bewirkte deutliche Reduktion der einzuträufelnden Medikamente angesehen, die von 1,5 auf 0,6 Medikationen gesenkt werden konnte; 55% (präoperativ 0%) der operierten Augen bedurften gar keiner drucksenkenden Augentropfen mehr. Der mittlere Intraokulardruck bei den medikamentös präoperativ gut eingestellten Glaukomen ging von 17,4 mm Hg auf 14,5 mm Hg zurück.

Die Autoren resümieren: “Die Verbesserung der Augenoberfläche kann einen zusätzlichen postoperativen Benefit für Patient und Arzt bedeuten, den es bei der Evaluation der Behandlungsoptionen des Glaukoms zu bedenken gibt.”

Schweitzer JA et al. (2020): Prospective interventional cohort study of ocular surface disease changes in eyes after trabecular micro-bypass stent(s) implantation (iStent or iStent inject) with phacoemulsification. Ophthalmol Ther, online publiziert am 18. August.

https://doi.org/10.1007/s40123-020-00290-6


Augendruckschwankungen über 24 Stunden mit intraokularem Sensor exakt dokumentiert

Seit längerem schon ist die sehr stichprobenartige Messung des Intraokulardrucks (IOD) als eine Schwachstelle in der Betreuung von Glaukompatienten identifiziert; in aller Regel findet sie mehrmals jährlich zu den Öffnungszeiten der Augenarztpraxis per Goldmann-Tonometrie statt. IOD-Schwankungen im Tages- und Nachtverlauf indes gelten als ein wichtiger Faktor in der Glaukomprogression. Eine intraokularer Drucksensor kann eine für die Erfassung solcher Druckprofile mit “dips” und “peaks” notwendige Dokumentation von Druckwerten quasi rund um die Uhr ermöglichen. Der von einer deutschen Firma (Implandata GmbH, Hannover) entwickelte kleine Drucksensor mit der Bezeichnung EyeMate ist jetzt von einer internationalen Studiengruppe bei 22 Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom im Rahmen einer Kataraktoperation implantiert worden; die Erfahrungen wurden online vor Erscheinen in Druck in der Zeitschrift Ophthalmology veröffentlicht.

Im Laufe der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 19,2 Monaten nahmen die Patienten (Durchschnittsalter 67,8 Jahre) insgesamt 93.033 Druckmessungen vor – ein einfacher Vorgang, bei dem ein Lesegerät von der Größe einer TV-Fernbedienung kurz vor das Auge gehalten wird. Dies kann natürlich auch nachts im Liegen geschehen und, wenn sich eine externe Antenne in einer Gesichtsmaske befindet, auch automatisch während des Schlafes erfolgen. Die erfassten Druckwerte werden telemetrisch an ein Auswertungszentrum bzw. im normalen Leben an die Augenarztpraxis übertragen. Pro Patient lagen in der Studie 4.221 gemessene IOD-Werte vor. Die Auswertung unterstrich die Variabilität der Druckwerte im Tagesverlauf mit den ausgeprägtesten Schwankungen in den frühen Morgensstunden. Bei einigen Patienten kam es im Verlauf eines relativ kurzen Zeitraums von 3 Monaten zu Druckschwankungen, die als wildly beschrieben werden. Die Autoren weisen darauf hin, dass über den Studienzeitraum bei 22 Patienten gemäß dem standard of care lediglich 154 Druckmessungen zu Praxiszeiten stattgefunden hätten, mit denen das Druckverhalten kaum realistisch hätte erfasst werden können: “Einzelne Druckmessungen oder eine einzelne 24-Stunden-Druckkurve geben nicht genügend Informationen für ein optimales Glaukommanagement. Die Möglichkeit eines kontinuierlichen IOD-Monitoring hat das Potenzial, die therapeutischen Entscheidungen bei Glaukom zu verbessern.”

Mansouri K et al. (2020): Short-Term and Long-Term Variability of Intraocular Pressure Measured with an Intraocular Telemetry Sensor in Patients with Glaucoma. Ophthalmology, online publiziert am 16. Juli. https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.07.016

Der intraokulare Drucksensor Eyemate