Glaukom aktuell

Aktuell von der Tagung der European Glaucoma Society (EGS) in Prag

Die Hälfte der Glaukome ist nicht erkannt

Sehr viele Menschen leiden am Glaukom (“Grüner Star”), ohne es zu wissen – typischerweise, da man nicht regelmäßig einen Augenarzt aufsucht. Oder gar nicht. Auf der Tagung der European Glaucoma Society (EGS) in Prag unterstrich Prof. Fotis Topouzis von der Universität Thessaloniki (Griechenland), dass praktisch alle großen epidemiologischen Studien zum Thema Glaukom einen hohen Anteil von Teilnehmern mit manifestem, aber bislang nicht erkannten (und behandelten) Glaukom in den untersuchten Populationen fanden: in der Rotterdam Eye Study waren 53% der Glaukome bislang nicht diagnostiziert, in der Egna-Neumarkt-Studie 87% und in der Aravind Eye Study aus Indien gar 93%.

Professor Topouzis steuerte Daten einer eigenen Ergebung bei, der Thessaloniki Eye Study, in welcher bei der Untersuchung von 2.554 Teilnehmern unter den 141 Glaukompatienten sich fast exakt die Hälfte (N =71; 50,4%) als bislang nicht diagnostiziert entpuppten. Der wichtigste Risikofaktor – sicher nicht ganz überraschend – war die Zeit, die seit dem letzten Augenarztbesuch vergangen war. Lag dieser ein Jahr oder länger zurück bzw. hatte die Person noch nie einen Augenarzt aufgesucht, betrug gegenüber Personen, die innerhalb des letzten Jahres bei einem Ophthalmologen waren, der relative Risikofaktor, ein undiagnostiziertes Glaukom zu haben 5,9 – was also um das fast Sechsfache erhöht.

Lage beim Schlafen beeinflusst den Augeninnendruck

Prof. Ki Ho Park (Seoul) wies darauf hin, dass Menschen, die mit erhöhtem Kopf schlafen, im Schnitt einen niedrigeren Augeninnendruck haben als jene, die flach auf dem Rücken liegen. Von der halb aufrechten sich in die flache Körperlage zu begeben, geht bei Menschen mit Offenwinkel- und auch mit Normaldruckglaukom mit einem stärkeren IOD-Anstieg (IOD = Intraokulardruck) einher als bei Personen ohne Glaukom. Auch die seitliche Lagerung im Schlaf hat Konsequenzen: das niedriger positionierte Auge (auf der Gesichtsseite, die mit dem Kissen oder der Matratze Kontakt hat) hat einen im Schnitt um 2 mm Hg höheren Augeninnendruck. Park und seine südkoreanischen Kollegen führten eine Studie an 98 Augen von 49 beidseits an Normaldruckglaukom erkrankten Augen mit asymmetrischem Gesichtsfeldausfall durch. Der IOD in unterschiedlichen, typischerweise im Schlaf eingenommenen Körperlagen zehn Minuten nach Einnahme derselben gemessen. Dabei zeigte sich, dass das jeweils schlechtere Auge (das mit dem ausgedehnteren Gesichtsfeldausfall) bei Seitenlage auffallend hohe Druckwerte erreichte, wenn der Proband auf der Seite dieses Auges lag. Diese Augen wiesen dann im Schnitt einen IOD von 19,1 mm Hg auf im Vergleich zu 16,4 mm Hg, wenn dieses Auge in Seitenlage quasi “oben” war. Bei Kopfhochlage hatten die schlechteren Augen nur einen mittleren IOD von 13,7 mm Hg. Die Unterschiede waren bei den besseren Augen ebenfalls nachweisbar, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt: sie hatten bei Seitenlage auf der gleichen Seite einen IOD von 17,6 mm Hg, bei Lage auf der anderen Gesichtshälfte von 16,4 mm Hg und von 13,8 mm Hg mit erhöhtem Kopf.