Glaukom aktuell

Gesunde Ernährung schützt vor Glaukom

Viele Patienten und Ärzte haben es vermutet – jetzt hat die Auswertung einer großen Doppelstudie recht unzweifelhaft belegt, dass die Ernährungsgewohnheiten einen Einfluss darauf haben, ob jemand für Glaukom mehr oder weniger anfällig ist. Wie nicht anders zu erwarten: es ist radikalfängerreiche, pflanzliche Ernährung, die offenbar einen protektiven Effekt hat.

Die neuen Erkenntnisse beruhen auf der Auswertung zweier Langzeitstudien: der 1976 begonnenen prospektiven Nurses’ Health Study (NHS) und der zehn Jahre darauf initiierten Health Professionals Follow-up Study (HPFS). Die beiden Studien erfassten mehr als 120.000 Krankenschwestern (zu Beginn im Alter von 30 bis 55 Jahren) und von mehr als 51.000 männlichen Gesundheitsanbietern im Alter von 40 bis 75 Jahren wie Zahnärzten, Apothekern, Tierärzten und Optometristen, die sich seither regelmäßig in ärztlicher Kontrolle befinden und über ihre Lebensgewohnheiten Buch führen.

Ein bestimmter Aspekt der Ernährung, die Nitrataufnahme, wurde bei 63.893 Frauen und 41.094 Männern in den beiden Populationen analysiert. Die Zufuhr dieser Stickstoffverbindungen erfolgt zu etwa 80% über grünes, blättriges Gemüse wie zum Beispiel Spinat, Grünkohl und Eisberg- oder Romaine-Salat; Nitrate sind ferner in Brokkoli, verschiedenen Kohlarten, aber auch in Tomaten, Zwiebeln und Senf enthalten. Die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Studien werden über einen Fragebogen, den semiquantitative food frequency questionnaire (SFFQ) erfasst. Bei 1.483 dieser Teilnehmer wurde ein Glaukom diagnostiziert, das Manifestationsalter lag im Schnitt bei knapp 67 Jahren. Jene, die in punkto Nitrataufnahme in der obersten Quintile (je 20% des Gesamtkollektivs) lagen und im Schnitt 261 mg Nitrate pro Tag (Frauen) bzw. 279,5 mg Nitrate pro Tag (Männer) zu sich nahmen, hatten im Vergleich zu den Studienteilnehmern in der untersten Quintile mit weniger als 80 mg Nitratzufuhr pro Tag eine um mehr als 20% reduzierte Wahrscheinlichkeit, ein Glaukom zu bekommen (Risikofaktor 0,79). Die dosisabhängige protektive Wirkung dieser gemüsebasierten Nahrungskomponenten war für die Subgruppe der Glaukompatienten mit beginnendem Gesichtsfeldschaden nahe des Zentrums (n=433) sogar noch größer; der relative Risikofaktor betrug hier für die nitratreichste Quintile gegenüber jener mit der geringsten Zufuhr 0,56.

Nitrate spielen nach Umwandlung in Stickoxid (NO) gemäß heutigem Kenntnisstand eine Rolle in der Augendruckregulierung und beeinflussen auch die Blutversorgung positiv. Die Quintessenz der Studie: sich in hohem Maße von grünem Gemüse zu ernähren ist gut für die Glaukomprophylaxe und, so die Krankheit bereits vorliegt, wohl auch potentiell die Progression hemmend. Und natürlich verhindert gesunde Ernährung noch viele weitere Krankheiten.

Kang JH et al. (2016) :Association of Dietary Nitrate Intake With Primary Open-Angle Glaucoma. A Prospective Analysis From the Nurses’ Health Study and Health Professionals Follow-up Study JAMA Ophthalmol 134: 294-303.