Glaukom aktuell

Minimal-invasive Glaukomchirurgie (MIGS): Wenn keine allzu starke Drucksenkung erforderlich ist

Augenärzte warnen immer wieder davor, die chirurgische Option in der Glaukomtherapie endlos “auf die lange Bank” zu schieben – manchmal macht es Sinn, eine ausreichende Senkung des Intraokulardrucks (IOD) mit einem Eingriff anzustreben, anstatt weiter und möglicherweise über Jahre mit Augentropfen zu therapieren. Auf mehreren Kongressen ist in den letzten Wochen deutlich geworden, wie sehr die Glaukomchirurgie in Bewegung geraten ist.

Gute Drucksenkungen bei deutlich reduziertem Komplikationspotential sind durch Mikroimplantate zu einer Realität geworden, die unter dem Oberbegriff MIGS zusammen gefasst werden, der für mikro-inzisionale oder minimal-invasive Glaukomchirurgie steht. Im Gegensatz zur “klassischen” Glaukomchirurgie, vor allem der Trabekulektomie, wird von innen operiert, größere Inzisionen sind nicht nötig.

Indikationen für MIGS sind milde/moderate Glaukomschäden und kein sehr tief anzusetzender Zieldruck. Die Methoden sind noch jung, doch zeigen die bislang vorliegenden Ergebnisse, dass vielen Patienten mit dem minimal-invasiven Ansatz geholfen werden kann. Mit den Implantaten kann man meist Drucksenkungen um 30% und mehr erwarten. Ein idealer Zeitpunkt für das Einsetzen eines solchen kleinen Implantats ist die Kataraktoperation – wenn der Patient sich wegen Grauen Star ohnehin operieren lassen muss und diese kleine zusätzliche Maßnahme das Risiko praktisch kaum erhöht. Neben der erwünschten Senkung des Augeninnendrucks kann auch die Notwendigkeit, weiter Augentropfen zur Druckregulierung anwenden zu müssen, deutlich gesenkt werden und viele Patienten kommen ganz ohne Tropfentherapie aus. Auf der Tagung der Swiss Academy of Ophthalmology (SAoO) in Luzern berichtete Dr. Matthias Grieshaber (Schaffhausen), dass zum Beispiel mit während der Kataraktoperation eingesetzten iStents bei einer Patientengruppe die durchschnittliche Zahl der notwendigen Glaukompräparate von 1,6 auf 0,3 gesenkt werden konnte – was in etwas bedeutet, dass von Patienten, die bislang ein bis zwei Präparate nehmen mussten, jetzt nur noch jeder Dritte überhaupt tropfen muss. Das Einsetzen eines sogenannten Cypass-Implantates reduzierte die Zahl der Medikationen etwas weniger ausgeprägt, von durchschnittlich 2,2 auf 1,4. Patienten, die ein XEN-Implantat erhielten, brauchten statt im Schnitt 2,7 Präparaten vor der Implantation nur noch im Mittel 0,9 nach dem Eingriff anzuwenden.