Glaukom aktuell

Wie Früherkennung Augenlicht rettet: “Ich habe die Erblindung meiner Mutter miterlebt”

Sehr lebensnaher Bericht eines Betroffenen – und erblich Belasteten ! – in einer großen österreichischen Zeitung:

https://www.krone.at/2141941


NTG-Patienten: Druckanstieg bei längerem Benutzen des Smartphone in trübem Licht

Eine koreanische Forschergruppe hat jetzt untersucht, ob die relativ lange Beschäftigung mit dem Smartphone zu Fluktuationen des Augeninnendrucks führt.  Das Studienkollektiv bestand aus 40 Patienten mit einem medikamentös gut eingestellten Normaldruckglaukom (NTG) und 38 Patienten, die deswegen eine Operation, eine Trabekulektomie, hinter sich hatten – das Normaldruckglaukom ist in einigen asiatischen Ländern sehr häufig und dort noch vor dem klassischen Glaukom (mit erhöhtem Augeninnendruck) die wichtigste Form der Krankheit. Die Studienteilnehmer arbeiteten (lesen und tippen) für 25 Minuten auf diesem heute allgegenwärtigen Begleiter und dies bei recht bescheidenen Lichtverhältnissen (432 cd/m2).

Nach 5 Minuten bereits wurde bei den medikamentös behandelten NTG-Patienten eine Steigerung des durchschnittlichen Intraokulardrucks (IOD) von 13,9 mm Hg auf 15,5 mm Hg gemessen, am Ende der 25minütigen Übung war der Druck im Schnitt auf 17,5 mm Hg gestiegen. Nach Beendigung der Tätigkeit sank er binnen 5 Minuten wieder auf durchschnittlich 13,1 mm Hg. Die trabekulektomierten Augen zeigten nach 5 Minuten ebenfalls eine Anstieg – von 13,6 mm Hg auf 14,9 mm Hg – der dann allerdings nicht weiter zunahm und sich nach Ende der Tätigkeit ebenfalls wieder normalisierte. Die Mechanismen dieser vorübergehenden Druckerhöhung sind unklar, infrage kommen ein Einfluss der (durchaus anstrengenden) Akkommodation und Konvergenz, Kontraktionen der äußeren Augenmuskeln, psychophysiologischer Stress, die angespannte Nackenhaltung – oder eine Kombination dieser Faktoren.

Ha A. et al. (2020): Changes in intraocular pressure during reading or writing on smartphones in patients with normal-tension glaucoma. Br J Ophthalmol 104:623–628.

Von “nur” erhöhtem Augeninnendruck zum manifesten Glaukom: Über 5 Jahre bei 17,5%

Behandeln oder abwarten – das ist die zentrale Frage bei Menschen mit okulärer Hypertension (OHT), also einem Augeninnendruck von mehr als 22 mm Hg, aber ohne Anzeichen eines Glaukomschadens an Netzhaut und Sehnerv (und damit einem normalen Gesichtsfeld). Britische Ophthalmologen und Epidemiologen haben jetzt untersucht, wie oft es unter sogenannten real world-Bedingungen über einen längeren Zeitraum zu einer Progression von einer okulären Hypertension zu einem manifesten primär-chronischen Offenwinkelglaukom (POAG) kommt. Dazu wurden die elektronischen Krankenakten von 3.163 Augen der gleichen Patientenzahl ausgewertet, die in fünf regional über England verteilten Glaukomzentren betreut wurden.

Insgesamt wurde für einen Zeitraum von 5 Jahren eine Konversion von OHT zu manifestem Glaukom von 17,5% errechnet. Für die behandelten Patienten wurde eine Konversionsrate von 14% über 5 Jahre vorausgesagt, für unbehandelte von 26,9%. Von jenen, die eine Konversion durchgemacht hatte, erlitten 90% einen milden oder moderaten und 10% einen fortgeschrittenen Gesichtsfeldverlust. Ein statistisch signifikanter Risikofaktor für eine Konversion war ein höheres Lebensalter (HR, hazard ratio: 1,35 pro Dekade). Das Geschlecht oder die Höhe des IOD bei Baseline waren nicht mit dem Konversionsrisiko assoziiert.

Die Autoren verweisen darauf, dass “nur 1,75% unserer Studienpopulation [binnen 5 Jahren] eine schwere Gesichtsfeldeinbuße erleidet.” Die Daten belegen indes den Nutzen einer Behandlung, welche man angesichts der begrenzten Ressourcen des britischen Gesundheitssystems wahrscheinlich von vornherein primär den Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren hat zukommen lassen und weniger den low risk-Gruppen.

Kelly SR et al. (2020): Progression from ocular hypertension to visual field loss in the English hospital eye service. Br J Ophthalmol, online publiziert am 25. März. doi:10.1136/bjophthalmol-2019-315052