Glaukom aktuell

AKTUELL VON DER TAGUNG DER DEUTSCHEN OPHTHALMOLOGISCHEN GESELLSCHAFT (DOG) IN BERLIN

Glaukom bei “Jüngeren” häufiger als erwartet

Zur Häufigkeit (Prävalenz) wichtiger Augenerkrankungen hat die Universitätsaugenklinik Mainz unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Pfeiffer eine grosse populationsbasierte Beobachtungsstudie durchgeführt, bei der mehr als 5000 Teilnehmer eine standardisierte augenärztliche Untersuchung durchliefen. Bei der Auswertung der für eine Glaukomdiagnose relevanten Befunde am Sehnervenkopf (Papille) wurde häufiger ein Offenwinkelglaukom bei Menschen unterhalb des 60. Lebensjahres festgestellt als bislang in der Literatur beschrieben. Unter den 35- bis 44jährigen hatten 0,8% ein Glaukom (bisher angenommen: 0,3% bis 0,5%), unter den 45- bs 54jährigen 1,1% (bisher vermutet: 0,5% bis 1,%).
 
Kleine Stents, gute Wirkung

Von einer deutlichen Senkung des Augeninnendrucks nach Implantation zweier iStent inject in einem minimal-invasiven antiglaukomatösen Eingriff (MIGS) hat eine Studiengruppe aus Berlin berichtet. Die iStent inject – die kleinsten Implantate in der heutigen Medizin – wurden in 15 Augen von 14 Patienten eines Durchschnittsalters von 64 Jahren eingesetzt; die betroffenen Augen hatten einen mittleren Gesichtsfelddefekt von -7,31 dB – die Verschlechterung eines solches Ausfalls (Progression) durch Senkung des Augeninnendrucks aufzuhalten ist das Ziel einer jeden Glaukomtherapie. Mit den iStent inject gelang diese Druckreduktion deutlicher als in anderen Veröffentlichungen berichtet: der mittlere Augeninnendruck der behandelten Augen konnte von präoperativ 25,6 mm Hg auf einen Durchschnittswert von 15,7 mm Hg ein Jahr nach dem kleinen Eingriff gesenkt werden.
 
Nitrattabletten zur Senkung des Zentralvenendrucks im Auge

Bei an Offenwinkelglaukom erkrankten Augen ist häufig der Zentralvenendruck erhöht, was die Blutversorgung des Auges – um die es bei Glaukom meist nicht gut bestellt ist – erschwert. An der Universitätsaugenklinik Dresden wurde 14 Patienten mit Offenwinkelglaukom über vier Monate ein Nitrat oral verabreicht. Während in der Beobachtungszeit der Intraokulardruck keine Veränderung zeigte, wurde der Zentralvenendruck deutlich abgesenkt: von durchschnittlich 47,95 mm Hg auf 28,08 mm Hg. Dies bewirkt einen Anstieg des okulären Perfusionsdruckes und damit eine bessere Durchblutung der Nervenzellen der Netzhaut, die bei Glaukom gefährdet sind.
 
Deutliche Zunahme der Glaukomoperationen

Glaukome werden in steigendem Maße stationär mit einer chirurgischen Intervention behandelt. Eine Analyse der Universitätsaugenklinik Mainz konnte für den Zeitraum von 2005 bis 2015 eine Zunahme stationärer Glaukomoperationen um 51,2% verzeichnen. Die am häufigsten durchgeführten Eingriffe waren die Trabekulektomie – der sogenannte “Goldstandard” der Glaukomchirurgie – und zyklodestruktive Verfahren. Besonders häufig wird bei sehr alten Patienten in der achten und neunten Lebensdekade das Glaukom operiert.